Die Abbildung oben stammt aus einer Studie aus dem Jahr 2022 [2]. Dort wurden Augensprünge untersucht (auf englisch Saccades). Im Rahmen der Studie wurden die Augen von Kindern mit ADHS (engl. ADHD) untersucht.
Folgendes wurde bezogen auf die Augensprünge bei Kindern mit ADHS herausgefunden:
1. Die Augensprünge von Kindern mit ADHS sind zeitlich kürzer
2. Die Augensprünge haben eine geringere Amplitude, sind dementsprechend auch räumlich kürzer
3. Die Dauer wie lange ein Objekt nach einem Augensprung fixiert wird ist länger
Aber was bedeutet das?
1. Längere Fixationszeiten deuten darauf hin, dass die Verarbeitung visueller Informationen länger braucht. Kinder mit ADHS brauchen dementsprechend länger um zu begreifen, was sie sehen. Die visuelle Reizverarbeitung, das gesamte visuelle System und die Informationsaufnahme auf dem Sehen ist ineffizienter.
Sehen und Fixation ist eine absolute Grundlage wenn es um das Thema Lesen geht. Bei Leseschwierigkeiten sollte das visuelle System überprüft werden.
2. Entwicklung visueller Kompetenz: Unser visuelles System entwickelt sich im Laufe des Kindesalters und wird effizienter. Diese Entwicklung zeigt sich auch bei Augensprüngen. Wird das Gesamtsystem Sehen effizienter, werden Augensprünge einerseits räumlich länger aber auch zeitlich langsamer.
Bei Kindern mit ADHS sehen wir, wie in der Abbildung dargestellt, zeitlich kürzere Augensprünge und auch räumlich kürzere Augensprünge. Zusätzlich also ein Zeichen dafür, dass die Entwicklung der visuellen Kompetenz bei Kindern mit ADHS langsamer fortschreitet.
Es ist unter den oben genannten Aspekten also nicht verwunderlich, dass Kinder mit ADHS mit dem Lesen in der Schule Schwierigkeiten haben. Hinzu kommt natürlich die schnellere Entwicklung bei der Peer-Gruppe und somit der soziale Druck hinterherzukommen. Die Grundvoraussetzung aber - das Sehen selbst - ist nicht gegeben.
Meine Meinung ist klar: Sehen sollte bei Kindern mit ADHS und bei Kindern mit Leseschwierigkeiten immer gescreened und dann auftrainiert werden.